Was bedeutet es heute, MarxistIn zu sein? (Abstract für MARX-CONFERENCE, PEKING UNIVERSITY am 5./6. Mai) von Hermann Dworczak

Der Originaltext ist in Englisch. Original in English. Zuerst die deutsche Übersetzung/ first German:

WAS BEDEUTET ES HEUTE, EIN MARXIST ZU SEIN?
 
Generell können wir sagen, dass die von Marx entwickelten Hauptpositionen durch die Geschichte bewiesen wurden und immer noch gültig sind: seine Analysen der Struktur des Kapitalismus und seiner immanenten Krisen; seine Charakterisierung des bürgerlichen Staates, der nicht übernommen werden kann und dass die Arbeiterklasse ihren eigenen Staat schaffen muss; die Notwendigkeit von Revolutionen und nicht nur von Reformen; etc.
 
Aber es reicht natürlich nicht aus, Marx zu "zitieren", um die Welt von heute zu verstehen.

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György Dalos DER LETZTE ZAR (Rezension)

1917 wurde die Zarendiktatur gestürzt. 1918 wurde der letzte Zar Nikolaj II. in Jekaterinenburg vor dem Hintergrund des eskalierenden Bürgerkriegs getötet. György Dalos, Autor vieler historischer Studien, aber auch Romane, analysiert die Hintergründe, wie es dazu gekommen ist.                                                                                                                           

Rund um den 17. Juli, den hundertsten Jahrestag des Todes des Zaren, wird es in Russland jede Menge idealisierende "Erinnerung" und Kitsch geben. Auch international wird es nicht an einer großen Portion Unsinn und viel Weihrauch fehlen. Umso wichtiger, sich ernsthaft mit dem realen Geschehen auseinanderzusetzen. Dalos hat die Faktenlage gründlich studiert - auch auf Grund seiner Sprachkenntnisse war ihm dies möglich. Er entwirft ein realistisches Bild des letzten Romanow, fern jeglicher Schönfärberei und nachträglicher Stilisierung.

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SOCIAL VECTORS OF ECONOMIC MODERNISATION (Speech Hermann Dworczak at “Economic Forum” in St. Petersburg April 2nd 2018

1. First of all we have to clear what is meant with "modernisation". Is it only to put more steam in the actual existing machine? More cars, more highways, more shopping walls, more football stadions, computers and robots?

Or is it a real "take off" (Rostow) - a balanced social, cultural and ecological development to future?

I think only the second definition is a real and comprehensive modernisation.

2. When we stick on the second definition it is obvious that modernisation is not only and not mainly a technical thing. It depends on a lot of SOCIAL parameters:

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Gerechtigkeit für Marielle Franco!

Wir fordern Gerechtigkeit für Marielle Franco

Am 14. März ist in Rio de Janeiro eine der führenden und mutigsten Aktivistinnen der sozialen Bewegungen in Brasilien auf der Straße ermordet worden. Unbekannte Angreifer haben Marielle Franco, Stadtratsmitglied und Menschenrechtsaktivistin, aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug viermal in den Kopf geschossen, als sie von einer Versammlung von jungen schwarzen Aktivist*innen kam. Ihr Fahrer Anderson Pedro Gomes ist ebenfalls ermordet worden.

Lange bevor sie 2016 in den Stadtrat von Rio gewählt wurde, war Marielle als unermüdliche und unerschrockene Anwältin für die Rechte von Afro-Brasilianer*innen, LGBT-Personen, Frauen und Gemeinschaften mit niedrigen Einkommen weithin bekannt. Sie war eine lesbische schwarze Frau, die in einem der ärmsten Viertel von Rio geboren worden und aufgewachsen war, und führte unablässig Kampagnen gegen die hochschnellende Polizeigewalt in den Favelas der Stadt.

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WSF: WELCHE ALTERNATIVEN SIND MÖGLICH? - 2.BERICHT

meninasalvadorgrafiteNach der beindruckenden Demo am Dienstag nahm das WSF am Mittwoch  seine inhaltliche Arbeit auf.  Auf dem riesigen Gelände der Föderalen Uni von Bahia (UFBA) findet eine Unzahl von Veranstaltungen statt. Ich hatte gerade Zeit für 3 von ihnen.

Bei der ersten ging es um "neue Paradigmen", um "das ökologische Desaster zu vermeiden und eine Gesellschaft des guten Lebens/ bien vivir zu schaffen". In einem grundsätzlich angelegten Beitrag setzte sich Edgardo Lander von der Universidade Central da Venezuela mit dem Extraktivismus - also dem Gesellschaftsmodell, das vor allem auf der Ausbeutung der Bodenschätze beruht - und dessen katastrophalen Folgen für Mensch und Natur auseinander. Extraktivismus hat nicht bloß eine ökonomische Dimension, er durchdringt alle Strukturen und Poren der Gesellschaft: er schafft spezielle Hierarchien und Abhängigkeiten (insbesonders vom Weltmarkt und dessen internationaler repressiver Arbeitsteilung), er prägt die zwischenmenschlichen Beziehungen, er geht insbesonders zu Lasten der Indigenen. Lander schilderte - ebenso wie andere RednerInnen -, daß die progressiven Regierungen Lateinamerikas das Modell des Extraktivismus weitgehend und unkritisch übernommen haben - mit dem Argument, damit Sozialreformen finanzieren zu können.

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